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LNB-Abstände beim Multifeed-Empfang

Zahlreiche Anfragen zeigen mir, dass der Abstand der LNBs beim Multifeed-Empfang eine besondere Schwierigkeit darstellt. Wenn man überhaupt keine Ahnung hat, ob es ungefähr 7 oder 12 oder 20 cm sind, sucht man nach der richtigen Position schon sehr lang.

Messer der LNB-Abstände Bei größeren Anlagen kann es außerdem wichtig sein, den Abstand bereits im Vorfeld abzuschätzen, um eine hinreichend lange Multifeed-Schiene besorgen zu können. Bei sehr engen Positionen (z. B. 19,2° und 23,5°) hängt die Realisierbarkeit davon ab, dass genügend dünn konstruierte LNBs benutzt werden und/oder die Schüssel so groß gewählt wird, dass der nötige Abstand überhaupt erreicht wird.

Die Schwierigkeit zahlenmäßiger Angaben besteht darin, dass der nötige LNB-Abstand von wechselnden Faktoren abhängt. Dazu gehört natürlich der tatsächliche Abstand der gewünschten Sat-Positionen am Himmel, aber auch Größe und Form der Schüssel, Ausformung des LNB-Trichters sowie der geografische Standort; in Flensburg ist der optimale Abstand etwas geringer als in Füssen.

Letzterer Zusammenhang ist einer der Gründe, warum ich von starren Multifeedhaltern (wie sie für Astra/Hotbird angeboten werden) oder gar "Monoblock-LNBs" abrate. Solche LNBs sind schnell zu montieren, aber man hat damit nie optimalen Empfang auf beiden Positionen, weil sie nur für einen mittleren europäischen Standort abgestimmt sind. Außerdem funktionieren sie nur an einer Schüssel von genau definierter Form und Größe einwandfrei, aber bereits Schüsseln gleichen Durchmessers können im Biegeradius abweichen und somit verschiedene LNB-Abstände erfordern.

Neben dem Abstand der LNBs sind auch Höhe und Drehung von Bedeutung - zumindest dann, wenn der Empfang knapp ist und es auf jedes Quäntchen ankommt. Aus diesem Grund kommen immer mehr Multifeedhalter auf den Markt, bei denen man auch die Höhe der einzelnen LNBs justieren kann.
Die Drehung kann man bei üblichen LNBs mit rundem Hals in jedem Fall leicht einstellen.

Die Vorgehensweise zur Justage von Multifed-Setups mit verstellbarem Halter ist im Kern immer gleich:
Als erster Schritt wird eines der LNBs (z. B. das Mittlere) endgültig festgeschraubt, und zwar so hoch, dass die LNBs links und rechts davon noch höhenmäßig Spielraum in der nötigen Richtung haben. Dann wird die eigentliche Schüssel ausgerichtet (genau wie bei einer 1-LNB-Anlage), so dass das festgezurrte LNB optimalen Empfang hat. Dann wird auch die Schüssel endgültig festgeschraubt. Alle weiteren LNBs werden nur noch an der Multifeedschiene in Abstand, Höhe und Drehung ausgerichtet; an der Schüssel selbst oder am vorher festgeschraubten LNB wird nichts mehr geändert.

Für die Höhe gilt folgende Regel: Die Richtung wird an der Schüssel gespiegelt; deswegen braucht der höchste Satellit immer das am niedrigsten gesetzte LNB. Die LNBs links und rechts davon müssen eher höher positioniert werden. Die höchste Oribitalposition ist immer die, die dem Längengrad des Standortes am nächsten kommt.
In Deutschland ist Hotbird auf 13° Ost die höchste der gängigen Satellitenpositionen, und damit bekommt Hotbird an der Schüssel das am niedrigsten angebrachte LNB. Hotbird ist in den meisten deutschen Multifeedanlagen auch die westlichste Position (also das rechte Ende der Multifeed-Schiene); demnach geht es links vom Hotbird-LNB "bergauf".

Käuflich zu erwerbende Multifeed-Halter passen nicht immer perfekt für den gewünschten Einsatzzweck. Zum Beispiel gibt es vorgebogene Halter, bei denen die niedrigste LNB-Position immer in der Mitte ist - was Unfug wäre, wenn man gar nicht die höchste Sat-Position in die Mitte setzen will. Häufig ist das Basteltalent des Anwenders gefragt, um durch Verbiegen oder sonstige Umbauten eine optimale Justage zu ermöglichen. Wir sprechen hier übrigens von Höhenunterschieden im Bereich von wenigen Millimetern bis maximal 2 - 3 cm, je nach Abstand der Sat-Positionen und Größe der Schüssel. Die Einstellung der Höhe gehört zur Fein-Justage; eine korrekte Voreinstellung der Höhe ist fürs grundsätzliche Finden der Sat-Position (Grobjustage) nicht notwendig.

Es gibt auch jede Menge Multifeed-Halter, die gar keine Höhenjustage erlauben. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass dies immer einen Kompromiss bedeutet.
Für starke Sat-Kombinationen (z. B. Astra/Hotbird) kann man mit solchen Kompromissen gut leben; Multifeedhalter ohne Höhenjustage können durchaus praktische Vorteile haben, z. B. insgesamt stabiler gebaut und weniger anfällig für sturmbedingte Dejustage sein.
Wenn allerdings der Empfang knapp ist (z. B. britische Sender auf 28,2° Ost) und es auf jeden Millimeter ankommt, taugen solche Lösungen nicht - selbst wenn sie von einem Premium-Hersteller kommen und sauteuer sind.

Die Drehung (Tilt) der einzelnen LNBs ist weniger problematisch. Wenn alles Andere justiert ist (also wenn Abstand und Höhe schon den bestmöglichen Ausschlag liefern) variiert man noch die Drehung jedes LNBs, um den Empfang evtl. noch ein wenig stärker zu bekommen. Ist keine große Sache, aber man sollte daran denken.

Reihenfolge von LNBs an Multifeed-SchieneDie Bestimmung der Reihenfolge (also welches LNB links und welches rechts davon sitzen muss) ist eine Frage des räumlichen Vorstellungsvermögens. Bevor ich viele Worte verliere, zeige ich lieber eine kleine Grafik mit den fünf gängigsten Positionen in Multifeed-Konstellationen. Die Grafik zeigt den Blick in die offene Schüssel, also der Feedarm zeigt auf den Betrachter.

Bestimmung der Feedarm-LängeAm meisten Kopfzerbrechen macht immer noch der Abstand der LNBs, weil er für eine brauchbare Vor-Justage am wichtigsten ist. Ein Leser dieser Seite brachte mich auf die Idee, den groben Abstand abhängig von der Länge des Feedarms zu berechnen - und das ist eine sehr gute Idee, weil der Feedarm quasi ein Maß für Größe und Form der Schüssel gleichzeitig ist.
Mit "Länge" ist nicht unbedingt die mechanische Gesamtlänge des Arms gemeint, sondern der Abstand zwischen Schüsseloberfläche und LNB-Trichter. Wie weit der Arm zu Befestigungszwecken noch hinter den Spiegel reicht, ist für die Berechnung egal.

Zunächst wird der Winkel-Unterschied benötigt, in dem die gewünschten Satelliten am Standort einstrahlen. Hierzu bestimmt man mit dem AZ-EL-Rechner den Azimut beider Sat-Positionen und ermittelt dann die Differenz. Danach multipliziert man den Tangens des so bestimmten Differenzwinkels mit der Länge des Feedarms. Das Ergebnis ist ungefähr der benötigte LNB-Abstand. (Es geht hier nur um eine Abschätzung, nicht um eine geometrisch genaue Bestimmung.)

Da eine solche Berechnung vielleicht den einen oder anderen Einsteiger überfordert, habe ich einfach eine kleine Tabelle für einen mittleren deutschen Standort (Frankfurt am Main) erstellt. Die Werte müssten weiter im Süden etwas höher und weiter im Norden etwas niedriger sein, aber sie sind auch so immer noch eine gute Näherung. Es handelt sich um fertig berechnete Tangens-Werte, die nur noch mit der Länge des benutzten Feedarms multipliziert werden müssen.

Position 1 Position 2 Multiplikator für Feedarm
Astra (19,2° Ost) Astra (23,5 ° Ost) 0,10
Astra (19,2° Ost) Astra (28,2° Ost) 0,20
Astra (19,2° Ost) Eutelsat W2 (16° Ost) 0,07
Astra (19,2° Ost) Eutelsat Hotbird (13° Ost) 0,14

Beispiele für die Berechnung

- Sie möchten Astra auf 19,2° Ost und Hotbird auf 13° Ost kombinieren. Der Feddarm Ihrer Schüssel ist 63 cm lang, also rechnen Sie 63 cm * 0,14 und erhalten einen ungefähren LNB-Abstand von 8,8 cm.
- Sie möchten Astra 19,2° und Eutelsat W2 16° empfangen und Ihr Feedarm ist 76 cm lang, also beträgt der richtige LNB-Abstand etwa 5,3 cm.

Wenn die Trichter Ihrer LNBs breiter als der berechnete Abstand sind, können Sie sie nicht nah genug aneinander montieren. Dagegen helfen dünner konstruierte LNBs - oder eine größere Schüssel mit längerem Feedarm, die dann weitere Abstände bedingt.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Januar 2016

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