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Einführung in den Satelliten-Direktempfang (Teil 2)

Die Normen DVB-S und DVB-S2

Seit Mai 2012 ist deutschsprachiges Satellitenfernsehen ausschließlich in digitaler Technik verfügbar, zu erkennen an den technischen Kürzeln DVB-S und DVB-S2.
Die Buchstabenkombination DVB steht für "Digital Video Broadcasting", der Buchstabe S für "Satellit" - im Gegensatz zu C (Kabelfernsehen) und T (Terrestrik/Antenne).

Bitte beachten Sie: Meine Internetseite konzentriert sich auf den Satellitenempfang, also DVB-S und DVB-S2. Die Unterschiede zu Kabelfernsehen (DVB-C) und Terrestrik (DVB-T) habe ich auf der Seite "Warum überhaupt Sat-Empfang?" ausführlich dargestellt.

Digitale Receiver und Fernseher mit DVB-Tunern sind komplexe Geräte und daher oft nicht ganz ausgereift; zum Glück bieten die Hersteller nachträgliche Updates an, so dass später entdeckte Fehler auch nach dem Kauf noch behoben werden können. Man kennt dieses "Bananenprinzip" längst von Computer-Software.

Wer noch einen alten Videorecorder oder DVD-Recorder einsetzt, muss gegenüber früher eine kleine Verschlechterung hinnehmen: Ein VPS-Signal zur punktgenauen Steuerung der Aufnahme gibt es bei DVB nicht mehr. Man sollte die Aufnahme zwei Minuten früher starten und z. B. 30 Minuten länger laufen lassen, damit wirklich alles drauf ist - auch wenn sich das Programm wegen aktueller Ereignisse verzögert. Wer statt des Videorecorders gleich einen Receiver mit Festplatte einsetzt oder auf ein USB-Medium aufnimmt, wird diesen Nachteil verschmerzen können.

Eine Besonderheit von DVB ist die Zeitverzögerung: Da die digitalen Daten paketweise übertragen werden, entsteht bei Codierung und Decodierung ein gewisser Zeitversatz. In der Praxis kann das digitale Signal um mehrere Sekunden verzögert sein. Wenn Sie z. B. die TV-Uhr vor Beginn der Tagesschau mit der Anzeige Ihrer Funkuhr vergleichen, können Sie die Verzögerung deutlich sehen.

Bei DVB-S und DVB-S2 enthält jeder Transponder (d. h. jede Sendefrequenz) einen komplexen digitalen Datenstrom, der eine ganze Anzahl von Fernseh- und Radioprogrammen enthalten kann. Man spricht auch von einem "Bouquet". Wer ein Bouquet zusammenstellt, kann die digitale Datenrate der einzelnen Programme selbst bestimmen, also wahlweise eine stärkere oder weniger starke Kompression anwenden. Man kann auf einem Transponder viele Programme in schlechter Qualität oder wenige Programme in guter Qualität ausstrahlen. Da dies eine Kostenfrage ist, entscheiden sich leider die meisten Sender nicht für die bestmögliche Qualität.

Die Norm DVB-S2 ist eine Weiterentwicklung von DVB-S; sie arbeitet noch etwas effektiver und wird in Deutschland insbesondere für die hochaufgelösten HDTV-Sender verwendet (obwohl da kein zwingender Zusammenhang besteht). In der Regel kommt für HDTV auch die effizientere H.264-Codierung zum Einsatz, die man von Streamingformaten (Internet-Video) und Blu-ray-Disc kennt. Die meisten SDTV-Programme werden nach wie vor mit dem älteren MPEG2-Verfahren codiert, um kompatibel zu vorhandenen DVB-S-Receivern zu bleiben.
In guter HDTV-Qualität passen auf einen Transponder weniger Sender als bei SDTV; ansonsten ist die Technik ganz ähnlich. Alle HDTV-Receiver sind voll abwärtskompatibel zu DVB-S und MPEG2, d. h. mit einem HD-Receiver kann man auch alle herkömmlichen Sender empfangen.

Aktuelle Bouquets großer deutscher Anbieter enthalten im Schnitt 5 Fernsehsender in HDTV oder 8 Fernsehsender in SDTV. Es gibt auch Transponder mit weniger Fernsehsendern, die ihre restliche Bandbreite für Radiosender verwenden. Ferner gibt es Transponder mit bis zu 30 Fernsehsendern in bescheidener Qualität (z. B. Werbung für Sex-Hotlines) und Transponder, die ausschließlich Radio übertragen (dann passen über 60 Radiosender in guter Qualität drauf).

SDTV und HDTV

Alle herkömmlichen Fernsehsender fallen unter den Begriff "SDTV" (Standard Definition Television). Damit ist gemeint, dass die Auflösung des Bildes auf die alte PAL-Norm (mit 720 x 576 Pixeln) zurückgeht. Diese Auflösung reicht aus, wenn man einen Röhrenfernseher oder kleinen LCD-Fernseher betreibt. Auf großen Flachbildfernsehern bemerkt man jedoch Schärfedefizite.

Abhilfe schafft "HDTV" (High Definition Television) mit Auflösungen von derzeit bis zu 1920 x 1080 Pixeln. Alles Wichtige hierzu steht auf der Spezialseite zu HDTV.

An den nötigen Empfangsanlagen (Schüssel, LNB, Multischalter) muss man für HDTV gegenüber SDTV-Digitalempfang nichts ändern. Man braucht lediglich einen HDTV-Receiver und einen für HDTV geeigneten Fernseher.

Inzwischen gibt es überwiegend HDTV-Receiver und Fernseher mit HD-tauglichen Satellitentunern neu zu kaufen. Reine SDTV-Receiver findet man nur noch als billige Restposten oder auf dem Gebrauchtmarkt. Es spricht nichts dagegen, die "alten" SDTV-Receiver weiterhin zu benutzen; alle deutschen HDTV-Sender werden parallel noch in SDTV ausgestrahlt.

Nächster Teil

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: September 2015

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