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Fragen und Antworten zu HD Plus

Die deutschen Privatsender bewerben sehr offensiv ein Pay-TV-Paket namens HD Plus, das den Empfang von RTL, Sat1, Pro7 und siebzehn weiteren Kanälen über die Astra-Satelliten in HDTV-Qualität ermöglicht. Wer einen großen Fernseher besitzt und schon die öffentlich-rechtlichen Programme in HD empfängt, wird sich naheliegenderweise überlegen, auch die HD-Privatsender "freizuschalten".

Die Sache hat aber ein paar Haken, und nicht für jeden Zuschauer ist der Schritt zu HD Plus empfehlenswert. Diese Seite stellt die gängigsten Fragen und Antworten zusammen, und zwar nicht aus Sicht der Anbieter, sondern aus Sicht des kritischen Beobachters.

Was ist HD Plus, und wer steckt dahinter?

HD Plus (abgekürzt HD+ geschrieben) ist ein Pay-TV-Paket, das von der HD Plus GmbH vermarktet wird. Die im Paket enthaltenen Sender entsprechen inhaltlich 1:1 den bekannten deutschen Privatsendern, nur wird ihr Bild in der besseren HDTV-Qualität ausgestrahlt. Die Ausstrahlung erfolgt verschlüsselt, um sie nur zahlenden Kunden in Deutschland zugänglich zu machen. Der Kunde benötigt eine Zugangskarte, die nach dem Kauf für 6 Monate kostelos freigeschaltet ist. Gegen eine Gebühr von derzeit 60 € lässt sich die Freischaltung danach um jeweils 12 Monate verlängern; alternativ ist eine monatliche Abonnement-Zahlung von 5 € möglich.

In der offiziellen Werbung wird der Begriff "Pay-TV" übrigens gemieden; stattdessen wird von einer "Servicepauschale" gesprochen. Die Variante mit jährlicher Vorauszahlung (ohne automatische Verlängerung) wird offiziell nicht als "Abonnement" bezeichnet.

Was ist "HD+ Replay"?

"HD+ Replay" ist ein Service, der den Zugriff auf die Internet-Mediatheken der Privatsender direkt vom Fernseher aus erlaubt. Das funktioniert derzeit nur mit bestimmten Smart-TVs, die dafür speziell ausgerüstet sind. "HD+ Replay" wird für 5 €/Monat angeboten und ist unabhängig vom regulären HD-Plus-Abo.

Zeigt HD Plus nur echtes HDTV?

Genau wie die öffentlich-rechtlichen Sender, greifen auch die Privaten noch zum Teil auf "altes" Programm zurück, das in SD-Qualität produziert wurde. Es wird auf HD hochskaliert, was schon ein Stück besser aussieht als der Empfang in SD, aber nicht so gut wie echtes HDTV. Der Anteil des "nativen" HDTV soll in den kommenden Jahren zumindest zum Regelfall werden.

Die öffentlich-rechtlichen Programme gibt es ohne Hindernisse in HD. Warum braucht man für die Privatsender HD Plus?

Eine technische Notwendigkeit gibt es nicht. Die Privatsender argumentieren, die Ausstrahlung in HDTV sei teurer, und von daher sei es vertretbar, die Zuschauer an den Mehrkosten zu beteiligen. Außerdem sei es im Hinblick auf internationale Ausstrahlungsrechte (z. B. Sport-Großveranstaltungen) nötig, das Sendegebiet klarer eingrenzen zu können; das funktioniert nur mittels Verschlüsselung.
Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Die Privatsender möchten ihre Einnahmen nicht mehr nur aus Werbung beziehen; der Einstieg in die verschlüsselte Ausstrahlung ermöglicht langfristig auch weitere Pay-TV-Angebote. Schon vor einigen Jahren versuchten die Sendergruppen Sat1/Pro7 und RTL deshalb, eine vollständige "Grundverschlüsselung" ihrer Sender via Satellit durchzusetzen - was damals am Bundeskartellamt scheiterte. HD Plus beschränkt die Verschlüsselung auf die HDTV-Varianten der Sender und wird daher kartellrechtlich noch nicht beanstandet.

Ist HD Plus sein Geld wert?

Kommt auf die Perspektive an. Für ein Pay-TV-Paket mit 20 Sendern sind die derzeitigen 60 € Jahresgebühr auf den ersten Blick sehr billig. Bedenkt man aber, dass diese Sender nach wie vor sehr viel Unterbrechungswerbung ausstrahlen, relativiert sich die Betrachtung. Hinzu kommt, dass dieselben Sender parallel in herkömmlicher SD-Qualität ausgestrahlt werden, und zwar unverschlüsselt; man zahlt die Gebühr also lediglich für die etwas bessere Bildqualität und fängt sich im Gegenzug ein paar Einschränkungen ein (siehe übernächste Frage). So gesehen, darf man schon Zweifel am Preis-Leistungs-Verhältnis haben.
Unabhängige Experten gehen davon aus, dass HD Plus in seiner jetzigen Form knapp kalkuliert ist, um die Einstiegshürde niedrig zu halten. Die Jahresgebühr deckt also kaum mehr als die teure Verschlüsselungstechnik. Ob das positiv ist, sei dahingestellt: Die Sender verdienen mit den Gebühren zwar kaum Geld, aber der Kunde bezahlt für die Verschlüsselung, die ihm selbst nur Nachteile bringt.

Was braucht man, um HD-Plus-Programme sehen zu können?

Man benötigt eine Zugangskarte sowie einen Fernseher/Receiver mit Entschlüsselungstechnik. Die Zugangskarte liegt manchen Receivern bei; ansonsten bekommt man sie direkt im Webshop der HD Plus GmbH. Die Entschlüsselungstechnik gibt es in zwei Varianten:
Es gibt Receiver, die die nötige Entschlüsselungstechnik für HD Plus fest eingebaut haben; sie bieten einen Schacht, wo man die Zugangskarte direkt einschieben kann.
Die Alternative ist die Verwendung eines sogenannten CI-Plus-Moduls; es setzt einen Fernseher mit DVB-S2-Tuner oder einen Receiver voraus, der einen Einschub für CI-Plus bietet. Man schiebt also die Zugangskarte in das Modul, und dann das Modul samt Zugangskarte in den Fernseher bzw. Receiver. (Bitte nicht verwechseln: "HD Plus" ist das Programm-Angebot, um das es auf dieser Seite geht. "CI-Plus" ist eine hierfür eingesetzte Technik, die aber auch von anderen Anbietern verwendet wird, z. B. im Kabelfernseh-Bereich.)

Ferner haben Pay-TV-Kunden von Sky die Möglichkeit, die HD-Plus-Programme auf ihrer vorhandenen Sky-Zugangskarte "freischalten" zu lassen, so dass sie nicht zweierlei Zugangstechnik benötigen. Das funktioniert noch nicht mit jeder Karte und nicht mit jedem Receiver; wer daran Interesse hat, muss sich bei Sky informieren, ob das eigene Equipment geeignet ist.

Wie frei ist der Empfang mit HD Plus?

Leider fängt sich der HD-Plus-Abonnent - neben der nötigen Entschlüsselung - ein paar zusätzliche Einschränkungen ein. Das liegt nicht zuletzt an dem für HD Plus verwendeten Hardware-Standard "CI Plus", der von Kritikern gar als "Trojanisches Pferd im Wohnzimmer" bezeichnet wird, siehe dieses Video. Sinngemäß gilt dasselbe für Receiver mit eingebauter HD-Plus-Technik.
Richtig ist, dass CI-Plus-Module viele Eingriffe in die Rechte des Zuschauers ermöglichen, die es bisher nicht gab. Im Fall von HD Plus sind insbesondere die Besitzer von Geräten mit Festplatte oder USB-Aufnahmefunktion betroffen: Die Aufnahme funktioniert nur mit speziellen HD-Plus-Receivern sowie Fernsehern, die ausdrücklich für HD Plus zertifiziert wurden; bei den meisten anderen Lösungen mit CI-Plus-Modul ist die Aufnahme von vornherein gesperrt. Und auch an den "erlaubten" Geräten dürfen Sie ihre Aufnahmen bei einigen Sendern gar nicht vorspulen, bei anderen nur mit begrenzter Geschwindigkeit; so soll das schnelle Überspringen der Werbung verhindert werden.
Es gibt mittlerweile technische Lösungen, um die Einschränkungen zu umgehen (nicht-zertifizierte Module, in denen die Zugangskarten für HD Plus verwendet werden können). Sie verstoßen jedoch gegen die Nutzungsbedingungen von HD Plus - und es gibt keine Garantie, dass eine inoffizielle Lösung längerfristig funktionieren wird.

Braucht man HD Plus unbedingt?

Nein, denn alle Sender, die auf HD Plus angeboten werden, sind weiterhin auch in SD-Qualität empfangbar - und zwar unverschlüsselt und ohne Aufnahme-Einschränkungen. Gemäß einem Beschluss des Bundeskartellamtes wird dies noch mindestens bis zum Jahr 2023 so bleiben.
Wer einen Receiver mit integrierter HD-Plus-Entschlüsselung gekauft hat, steht nach Ablauf der Gratis-Phase vor der Wahl, das HD-Plus-Abo kostenpflichtig zu verlängern oder die betroffenen Sender künftig wieder in herkömmlicher Qualität anzuschauen.
Es stellt sich einfach die Frage, wie wichtig man den Empfang der Privatsender in HD-Qualität findet, und inwieweit man sich ggfs. mit den Einschränkungen (z. B. Vorlaufsperre) abgefunden hat. Während große Fernsehgeräte mit knappem Sitzabstand durchaus von HD profitieren können, ist mit kleineren Fernsehgeräten und/oder großem Sitzabstand der Vorteil von HD gegenüber SD kaum merklich. Und dann hängt es auch noch davon ab, wie häufig man Privatsender schaut.

Welche Sender kann man noch sehen, wenn man HD Plus nicht verlängert?

Ohne HD Plus empfängt man über die Astra-Satelliten noch alle werbefinanzierten deutschen Privatsender in SD-Qualität sowie die öffentlich-rechtlichen Sender in SD- und HD-Qualität.
Hat man HD Plus während der Gratis-Phase verwendet und verlängert das Abo nicht, erfordert dies ggfs. eine Umsortierung der Sender: Die unverschlüsselten SD-Sender werden nach vorn geholt, die verschlüsselten HD-Sender nach hinten geschoben oder gelöscht. Das ist einmalig etwas Arbeit - aber noch lange kein Grund, das Abo zu verlängern, wenn man HD Plus eigentlich nicht braucht.

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: Oktober 2015

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